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Hintergrundinfo

zum Artikel Bodenseefische - Die köstlichen Spezialitäten, 19. November 2008

Bodensee-Fischerei


Geschichte und Organisation

Die Bodensee-Fischerei wird als eine Jahrhunderte alte Tradition durch ca. 140 Berufsfischer, davon ca. 100 in Baden-Württemberg ausgeübt. Wie sich die Fischbestände verändern und damit auch die Fischerei, ist eng damit verknüpft, welche Bedingungen im See vorherrschen und wie der Mensch in die See-Natur eingreift. Schon seit 1893 wird die Fischerei von den Bodenseeanrainern mit dem internationalen Abkommen, der "Bregenzer Übereinkunft" einheitlich geregelt, weil schon damals dem See die Überfischung drohte. Schon seit mehr als 100 Jahren werden die Fangquoten bestimmt und die Fischbestände der Arten, die für die Fischerei wichtig sind, durch künstliche Bebrütung stabilisiert. Heute wacht die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei IBKF über die Erhaltung und Vermehrung des Fischbestandes. Entsprechende Verordnungen wie die Bodenseefischereiverordnung Baden-Württemberg, schreiben Schonzeiten und Mindestgrößen für die gefangenen Fische vor und spezifizieren zugelassene Fanggeräte z. B. durch Maschenweiten, Netzgrößen und -anzahl usw.

  • Anliegerstaaten sind Deutschland (Baden-Württemberg, Bayern), Österreich, Liechtenstein und Schweiz
  • IBKF: - Treffen von Bevollmächtigten der Anrainer, Sachverständige, Fischereiaufseher, Internationaler Bodensee-Fischerei-Verband; erstellt jährliche Fangertragberichte und widmet sich aktuellen Fragen der Fischerei – etwa dem Fortbestand der Seeforelle. Der Vorsitz der IBKF (derzeit Baden-Württemberg) wechselt turnusmäßig alle drei Jahre. Die Beschlüsse der IBKF müssen jeweils in innerstaatliches Recht umgesetzt werden.
  • Fischereibehörden, Fischereiaufseher, Forschungsinstitute und Fischbrutanstalten, Fischereiverbände - Strukturen und Adressen unter Fischerei in Deutschland - Portal des Bundes und der Länder
Fischarten, Fangerträge

"Heute findet man wieder fast alle Fischarten [in Baden-Württemberg], zum Teil allerdings nur in Einzelexemplaren, von denen aber immer noch rund 64 % gefährdet sind (13 % ausgestorben oder verschollen, 19 % vom Aussterben bedroht, 16 % stark gefährdet, 16 % gefährdet). In der ersten Kategorie sind es insbesondere anadrome Wanderfische, die vom Meer zum Laichen in die Flüsse aufsteigen und Fließwasserfische. Am wenigsten gefährdet sind die euryöken Arten, also Arten, die Schwankungen lebenswichtiger Umweltfaktoren innerhalb weiter Grenzen ertragen."[1]

Von 1996–2000 wurden beispielsweise ca 1130 t Fisch pro Jahr gefangen.[2] "Der Gesamtfang der Berufsfischerei lag {2007] mit 591 Tonnen um gut vier Prozent unter dem bereits sehr geringen Ergebnis von 2006 und gar um 39 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre."[3]

Laichfischfang und künstliche Bebrütung

Besatzfische werden von den Anliegerländern in sieben (fünf davon im Obersee) Fischbrutanstalten in Langenargen, Reichenau, Nonnenhorn[4], Ermatingen, im Landesfischereizentrum Vorarlberg in Hard und der Fischzuchtanlage Rorschach gezüchtet. Zu diesem Zweck wird seit 1920 Laichfischfang betrieben. Die gefangenen Fische mit "Laich", d.h. mit Fischeiern, oder das gewonnene Fortpflanzungsmaterial sind an eine vom staatlichen Fischereiaufseher bestimmte Fischbrutanstalt abzuliefern [5].

"Allein die Nonnenhorner, die integraler Bestandteil des Instituts für Fischerei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft sind, setzen laut Miller jedes Jahr etwa 100 Millionen Blaufelchen-Brütlinge, fünf Millionen Gangfisch-Brütlinge sowie 500 000 Seeforellen und 70 000 Seesaiblinge aus. Durch gezieltes Vermehren einzelner Fischarten kann schnell auf abnehmende Bestände im See reagiert werden. So ist es nach den Worten des Ministers gelungen, die ehemals bedrohte Seeforelle wieder zu stärken."[6]

"Manchmal sammeln die Fischer mehr Laich als die Brutanstalten aufnehmen können. Dann wird daraus der heimische Kaviar hergestellt, der als hoch geschätzte Delikatesse gilt. Dieser "Bodenseekaviar" ist jedoch nur sehr selten und nur saisonal verfügbar."[7]

Veränderte Bedingungen

"Die beschleunigte Nährstoffzunahme (Eutrophierung) des Bodensees in den 1960er- bis 1990er-Jahren hatte Einfluss auf das Vorkommen der einzelnen Arten sowie auf die Größe der Fische. So wurden bei unveränderter Mindestgröße nun Blaufelchen gefischt, die sich noch nicht hatten fortpflanzen können, was zu erheblichen Ertragsschwankungen führte. Durch Heraufsetzung der Mindestgröße konnte das Problem zunächst behoben werden. Die Fangerträge bei Barschen stiegen aufgrund deren Vermehrung an, was andererseits möglicherweise das Vorkommen des Hechtbandwurms in Barschen und Hechten gefördert hat. Mittlerweile normalisiert sich die Situation insgesamt wieder. Für die Barschpopulation wird noch mit einem weiteren Rückgang gerechnet.

Ähnliche Probleme gab es bei den Seeforellen, deren Bestand zwischenzeitlich durch Baumaßnahmen an den Zuflüssen dezimiert war. Insbesondere die Einrichtung von Fischtreppen und der Besatz der Zuflüsse brachte hier wieder Verbesserungen.

Die Berufsfischer fürchten jedoch bei einem weiteren Rückgang des Phosphatgehaltes im Bodensee auf unter 8 mg/m³ Gesamtphosphor deutliche Einbußen, da dann auch ein Ertragsrückgang bei Felchen zu erwarten ist." [8]

Vermarktung

Direktverkauf[9], Märkte[10], Restaurants[11]


Weitere Informationen auf mbnJournal

Artikel Bodenseefische - Die köstlichen Spezialitäten
Merkblatt Fischeinkauf PDF
Kleiner Fisch-Einkaufzettel PDF

Quellen

[1]Verband für Fischerei und Gewässerschutz in Baden Württemberg e.V. Fische in Baden-Württemberg
[2] Institut für Seenforschung der LUBW: Grafik Bodenseefangerträge
[3]PM Kanton St. Gallen Anhaltend geringe Fischerträge aus dem Bodensee
[4] Staatliche Fischbrutanstalt in Nonnenhorn Ausführliche Darstellung der Entwicklung, Aufgaben und Tätigkeiten PDF(760 kB)
[5] Bodenseefischereiverordnung Baden-Württemberg Bodenseefischereiverordnung (BodFischVO)
[6]PM Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Millionenfacher Nachwuchs für den Bodensee"
[7] Ferienhaus am Bodensee Fischzucht und Fischerei am Bodensee
[8] Bodensee Fischerei Wikipedia

Beispiele Vermarktung:
[9] Fischer vom Untersee, Reichenauer Fischhandlung Riebel
[10] Wochenmärkte, Bauernmarkt Radolfzell
[11]
seezunge

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