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5. März 2009

Naturkosmetik legt zu


Die Entwicklung geht hin zu einem Verbraucherverlangen nach mehr Transparenz, Sozialverantwortung und Nachhaltigkeit. Unternehmer haben eine ethische Verantwortung und müssen dieser gerecht werden. Der wirtschaftliche Erfolg ist wesentlich auch auf dieses Verantwortungsbewusstsein zurückzuführen. Beispiel Naturkosmetik - Marktzuwachs von jährlich einer Milliade US-Dollar !

Die Begriffe "Bio" und "Öko" sind in Zusammenhang mit Lebensmitteln geschützte Begriffe. Auf einem Kosmetikprodukt sagen diese Bezeichnungen allerdings nichts über die Herkunft und die Verarbeitung der Rohstoffe aus. Es gibt bislang noch keine gesetzliche Regelung über die Kennzeichnung sowie Kontrolle mit festgeschriebenen Standards für erlaubte Inhalts- und Zusatzstoffe für Naturkosmetik-Produkte. Der Markt für natürliche und biologische Kosmetik ist auch deswegen unübersichtlich. Die VerbraucherInnen müssen sich durchkämpfen durch den Wald der Label, sich über Hersteller und deren Firmenphilosophie informieren sowie ihre Bezugsquellen abchecken.

Naturkosmetik steht für den Willen der VerbraucherInnen gesunde und natürliche Produkte zu erwerben. Sie erwarten, dass die Produkte qualitativ vergleichbar sind mit den herkömmlichen Kosmetikprodukten und darüber hinaus sollen sie sozial verträglich und umweltschonend sein. Die Naturkosmetikbranche boomt weltweit. Der Markt für natürliche und biologische Kosmetikprodukte legt derzeit jährlich um 1 Milliade US-Dollar zu (Organic Monitor[1])

In Deutschland sind ca. 4000 Artikel zertifizierter Naturkosmetikprodukte auf dem Markt. Das klingt erst einmal viel, verglichen mit dem Markt aller Kosmetikprodukte macht das aber nur 5% aus (Naturkosmetik Branchenreport 2008[2]). Der Großteil der zertifizierten Naturkosmetik-Produkte besitzt das Prüfsiegel vom BDIH. Folgende Standards wollen die Hersteller u. a. erfüllen:

Pflanzliche Rohstoffe müssen soweit möglich aus kontrolliert biologischem Anbau stammen.
Keine Verwendung von synthetischen Farb- und Duftstoffen sowie Silikonen und Erdölprodukten wie Paraffine. Keine Tierversuche; kein Einsatz von Rohstoffen toter Wirbeltiere.
Mehr unter BDIH Richtlinie "Kontrollierte Natur-Kosmetik" [3]

Das BDIH-Siegel wird für Produkte vergeben z.B. der Firmen alverde, Dr.Hauschka, Lavera, Li-il, Primavera, Speick, Tautropfen, Weleda[8]. Weitere Siegel sind u.a. das französische Prüfsiegel 'ecocert', demeter und neuform. bio-label-test.de[4] vergibt ein "sehr gut" an NCCO [5].


Foto mit freundlicher Genehmigung von Müller Ltd. & Co. KG | 04. März 2009
BILD 21 | 2009 Voll im Trend: Müller Drogeriemarkt Konstanz[9] - Werbeplakate (Detail gross)
und ein volles Regal mit Naturkosmetik (neu mit Annemarie Börlind, aqua bio, farfalla, Korres,
LAVERÉ, Santaverde) | mehr Archiv Fotos

Seit Herbst 2008 gibt es das europäisches Prüfsiegel "NaTrue". NaTrue ist eine Initiative aller nach den selben hohen ethischen und ökologischen Grundsätzen arbeitenden Naturkosmetik-Hersteller. Das Siegel wird in drei Stufen vergeben: für Naturkosmetik (1 Stern), Naturkosmetik mit hohem Bio-Anteil (2 Sterne), reine Bio-Kosmetik (3 Sterne). Die Richtlinien und mehr Informationen unter www.natrue-label.eu.

"Einige Naturkosmetik-Hersteller toppen die Bedingungen einer Zertifizierung durch eigene, noch strengere Richtlinien für ihre Rezepturen.

Dr. Hauschka Kosmetik etwa verzichtet auf die vom BDIH erlaubten naturidentischen Konservierungsstoffe. Ähnliches gilt auch für frei Bio+.
Manche ätherischen Öle von Primavera besitzen Demeter-Qualität (steht für biologisch-dynamische Erzeugung, wird vom Anbau bis zur Verarbeitung der Pflanzen lückenlos überprüft).
Mit dem eigenen Siegel "ecocontrol" bürgt Annemarie Börlind für hochwertige, wirksame und nachhaltige Naturkosmetik.
Sanoflore und Yves Rocher setzen zwischen 18 und 99 Prozent Substanzen aus kontrolliert ökologischem Anbau ein statt der von ecocert vorgeschriebenen 10 Prozent.
"Care" von Stella McCartney ist die erste Luxus-Hautpflegelinie mit 100 Prozent organischen Inhaltsstoffen, es werden außerdem keine vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten verwendet.
Andere Hersteller verzichten auf zertifizierte Bio-Siegel. Sie richten sich individuell nach ihrer eigenen Firmenphilosophie: "Phyto Solutions" von Institut Dr. Scheller etwa setzt natürliche Pflanzenbotenstoffe wie Rotklee und Soja ein und kann auf Grund einer neuartigen Cremebasis auf Emulgatoren verzichten.[8]

Beauty für Lohas[6] bedeutet aber nicht nur "naturrein". Auch in Sachen Schönheit spielen Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung eine große Rolle. Drei Beispiele:

In Body-Shop-Produkten mit eigenem Logo stecken schon seit 20 Jahren fair gehandelte Pflanzenwirkstoffe.
Aveda bezieht seine Inhaltsstoffe von Völkern aus der ganzen Welt, nutzt traditionelle Anbaumethoden und sichert den Lieferanten ein faires Einkommen.
Und Kiehl’s lässt den Erlös eines neuen Body Cleansers zu 100 Prozent einer Umweltinitiative von Brad Pitt zukommen."
(Freundin [7])

Naturkosmetik wird gekauft, weil synthetische und tierische Rohstoffe, Erdölabfallprodukte wie Paraffin oder weißes Vaselin, schädliche Duftstoffe, krebserregende Konservierungsstoffe und Farbstoffe auf unserer Haut nichts zu suchen haben und weil bewußte VerbraucherInnen ethisch einwandfreie Produkte anderen vorziehen.
Kontrollierte Naturkosmetik zwingt Unternehmen zu mehr Wettbewerb und bietet VerbraucherInnen mehr Transparenz und Sicherheit.

[update 24.03.09]

Weitere Informationen auf mbnJournal

Bezugsquellen von Naturkosmetik in Radolfzell am Bodensee (Beisp.); Marken und Produktlinien

Einkaufstipps - Fragen, die Sie sich vor dem Einkauf stellen könnten


Weblinks und Quellen

Organisation, Vereine, Initiativen

[1] Londoner Marktforschungsinstitut Organic Monitor [engl.]
[2] Naturkosmetik Branchenreport 2008
[3] BDIH Richtlinie "Kontrollierte Natur-Kosmetik"
[5] alle in diesem Artikel genannten Prüfsiegel: [4] Bio-Label-Test PDF
Label-online
[6] Lohas und strategischer Konsum: Lohas Lifestyle | Utopia
Vivaness Im Verbund mit BioFach präsentierte sich im Febr. 2009 die Weltleitmesse für Naturkosmetik und Wellness "Vivaness"

Firmen, Hersteller

[8] alle in diesem Artikel aufgeführten Hersteller / Marken:

Zur Beachtung: Die Vergabe von Label bezieht sich immer auf das jeweilige Produkt. Es kann also sein, dass sich in der Produktlinie des Herstellers auch nicht zertifizierte Produkte befinden.

[9] Naturkosmetik bei Müller

Medienberichte, Meldungen

taz Gewinnende Schönheit", Digitaz-Artikel 19.02.2009 zur Vivaness 2009
[7] freundin "Schön gepflegt? Aber natürlich! / Strengere Richtlinien für Rezepturen", online-Artikel 12.11.2008
Bio-Markt.Info online-Magazin "Vivaness 2009: Die Welt der Naturkosmetik in Nürnberg", PM Vivaness 09.10.2008
Greenpeace Magazin "Was ist drin? Was ist dran? Konventionelle Kosmetik, Reformhauskosmetik, kontrollierte Naturkosmetik im Vergleich - gute Übersicht, allerdings von 2006

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