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25. Juni 2009
Zucker ist kein Lebenselexier und auch kein Grundnahrungsmittel, aber ein lukratives Geschäft. Die Großunternehmen erziehlen ihre Gewinne
allerdings nur mit Hilfe von Millionenbeträgen aus Steuergeldern.
Zucker-Riesen
Der in Deutschland produzierte und verbrauchte Zucker ist zum hohen Anteil aus Rüben gewonnener Zucker.
Beim Einkauf fällt gegenüber der Markenvielfalt bei anderen Produkten in den Ladenregalen auf, dass meistens das
Zuckerangebot nur von einem Hersteller abgedeckt wird, zum Beispiel von der Südzucker AG.
In Deutschland gibt es vier Zucker erzeugende Unternehmen und 20 Zuckerfabriken.
Es sind die Unternehmen:
- Nordzucker AG (32%)
- Pfeifer & Langen KG (18%)
- Südzucker AG Mannheim/Ochsenfurt (43%)
- Suiker Unie GmbH - Zuckerfabrik Anklam [1]
Die Zuckerfabrik Anklam wurde Anfang 2009 von der niederländische Firma Suiker Unie GmbH gekauft.
Damit teilen sich nur drei Zuckergiganten den deutschen Markt. Der Preis für den verarbeiteten Zucker ist
in Deutschland und auch in der EU fast überall gleich, dafür sorgen die Preisabsprachen der Zuckerriesen.
In Europa sind das neben der deutschen Südzucker AG, der dänische Zuckerkollos Danisco und British Sugar.
Die Geschichte dieser Marktsituation hängt mit der Geschichte der Unternehmen zusammen, aber vor allem mit den
Möglichkeiten innerhalb der Wirtschaftsräume Deutschland / EU. Die Rahmenbedingungen, die von der Politik vorgegeben
werden, sind beispielsweise Regeln für die Verantwortung von Konzernen, Handels- und Subventionspolitik, Kartellgesetzgebung, Verhinderung
von Korruption und ausuferndem Lobbyismus.
Gerechtigkeit muss über Konzerninteressen stehen!
Die Zuckergiganten erzielen unvorstellbar hohe Umsatzraten und Gewinne und fassen dann noch EU-Agrarsubventionen ab, wie jetzt
öffentlich wurde. Allein Südzucker erhielt 2008 mehr als 34 Mio. Euro EU-Agrarexportsubventionen, im Geschäftsjahr 2004/05
sogar 81.2 Millionen Euro! [2]
Gerechtigkeit kann es nur geben mit Transparenz.
Zuckergigant Südzucker AG Mannheim/Ochsenfurt
Die Südzucker AG mit Sitz in Mannheim ist der größte Zuckerproduzent in Europa und einer der
größten Nahrungsmittelkonzerne Deutschlands und ist im MDAX notiert. Die Südzucker-Gruppe ist in die Segmente Zucker, Spezialitäten,
CropEnergies und Frucht gegliedert und beschäftigt weltweit ca. 18.600 Mitarbeiter
"Im Geschäftsjahr 2007/2008 erzielte das Unternehmen einen Gewinn von 100 Mio. Euro bei einen Umsatz von 5,78 Mrd.
Euro."[3] Als Dividende wurden 76 Mio. Euro ausgeschüttet (0,40 Euro je Aktie).
"Aufgrund eines überraschend guten dritten Quartals im Geschäftsjahr 2008/09 beläuft sich das operative
Ergebnis in den ersten drei Quartalen auf 184 Mio. Euro, nach 176 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Konzernumsatz stieg in den
ersten drei Quartalen um 5 % auf 4,6 Mrd. Euro."[4]
In den Nachrichten für Wirtschaft wird am 27. Mai 2009 berichtet, dass der Südzucker-Konzern "trotz der durch
die neue Zuckermarktordnung bedingten Einschnitte im Zuckersegment, der weltweiten Turbulenzen auf den Märkten
für Agrarrohstoffe und nicht zuletzt [trotz] der Finanz- und Wirtschaftskrise" wächst.
[5]
Die Anteilseigner sind nach Angaben von Südzucker
- 55% Süddeutsche Zuckerrübenverwertungs-Genossenschaft eG, Ochsenfurt, Unterfr, Deutschland,
- 11% Zucker Invest GmbH, Wien, Österreich
- 34% Free Float (Streubesitz).
Die Süddeutsche splittert in der Rubrik "wer gehört zu wem" die Eigentumsstruktur von Südzucker
noch weiter auf und nennt noch AXA S.A. und AllianceBernstein L.P. als Anteilseigner.[6]
Es bestehen mehrere Tochtergesellschaften und Beteiligungen, z.B. Saint Louis Sucre S. A., Paris, Frankreich,
Agrana-Beteiligungs-AG, Wien, Südzucker Polska Sp. z o.o., Warschau/Breslau, Polen, Raffinerie Tirlemontoise s. a.,
Brüssel, Belgien; weitere werden aufgezählt bei Wikipedia
In der Südzucker-Unternehmenspräsentation[7] werden Details und Konzernzahlen
gut aufbereitet vorgelegt. Allerdings sucht man Angaben über Exportbeihilfen, die Südzucker von den Steuerzahlern erhält, vergeblich:
No matches were found.
Agrarsubventionen
Nach EU-Recht müssen Agrarsubventionsempfänger seit neuestem im Internet veröffentlicht sein. Die Offenlegung soll
der Kontrolle dienen und den Steuerzahlern transparent machen, wofür die Gelder eingesetzt werden. Die Veröffentlichung
sollte bis 30. April erfolgen. Alle anderen 26 EU-Länder haben sich daran gehalten. Deutschland setzte seine Zahlen 6 Wochen
verspätet ins Internet und erntet damit auch noch Kritik: Es gibt weder eine Übersicht nach Bundesländern, noch eine Top
10 der Spitzenempfänger von Agrarsubventionen. Und es ist weiterhin in vielen Fällen unklar, wofür Unternehmen die
Beihilfen erhalten.
Aus der am 16. Juni im Internet unter
www.agrar-fischerei-zahlungen.de
aktivierten Datenbank der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) geht nun für geduldige und geübte Nutzer hervor,
dass 2008 allein die Südzucker AG in Mannheim mehr als 34 Millionen Euro EU-Agrarsubventionen erhalten hat. Damit ist der Zuckergigant
zunächst der größte Zahlungsempfänger in Deutschland, was sich aber abschließend noch nicht feststellen
lässt, weil die Datenbank der Bundesanstalt keine Angaben aus Bayern enthält. Die Kommission leitete wegen der Blockade
Bayerns ein Vertragsverletzungsverfahren ein, das mit Geldstrafen bis zu 700.000 Euro am Tag für Deutschland enden kann.
Sortierbare
Tabelle: EU-Agrarfonds - Die größten Empfänger
2008, Handelsblatt vom 16.6.2009[8]
Mit den Veröffentlichungen wird nun deutlich, dass Kritik an der Agrarpolitik der EU berechtigt ist. Die Agrarsubventionen kommen
nicht etwa den Bauern zu Gute, sie fließen vielmehr in Millionenhöhe an Großunternehmen. So bezuschusst die EU
mit Exportbeihilfen die Ausfuhren von Agrarprodukten. Die Exportbeihilfen drücken die Preise auf dem Weltmarkt.
Während die Gewinne der bezuschussten Konzerne steigen, werden die Märkte in den Entwicklungsländern zerstört.
Für diese Agrarpolitik zahlt jeder Deutsche rechnerisch über 100 Euro Steuern pro Jahr.
Die Umweltorganisation Greenpeace fordert, diese Milliarden, es sind tatsächlich 5,4 Milliarden Euro Jahr für Jahr, gezielt an
landwirtschaftliche Betriebe zu vergeben, die ökologisch und klimafreundlich wirtschaften. Immer noch ist Zuckerrübenanbau in aller
Regel Monokultur mit sehr hohem Pestizideinsatz. Der WWF verlangt, dass die EU "künftig
ausschließlich nachhaltig wirtschaftende Betriebe unterstützen [soll]. Bislang bekommen diejenigen Betriebe viel Geld,
die viel erzeugen oder viele Flächen haben." [9]
Eine bessere Kontrolle der eingesetzten Mittel ist außerdem geboten. Wie kürzlich von der taz gemeldet, sollen sich
Hamburger Zuckerhändler "millionenschwere Subventionen für Agrarexporte erschlichen haben."
[9]
Ohne Transparenz haben Betrüger leichteres Spiel. "Umso unverständlicher ist, warum sich der Deutsche Bauernverband
so vehement gegen die Veröffentlichung der Agrarzahlungen stellt. Er schützt damit Großunternehmen und Agroindustrie,
die tatsächlich befürchten müssen, dass die an sie entrichteten Direktzahlungen auf Widerspruch in der Gesellschaft
stoßen."[11]
Zucker - bio & fair
Wer bei Zucker auf Bio und regionalen Anbau setzt, kommt wiederum nicht bei Südzucker, oder den anderen Zuckerbaronen vorbei.
Südzucker bietet Bio-Zucker auf Basis von kontrolliert ökologisch angebauten deutschen Zuckerrüben an. Ein Großteil dieses Zuckers
wird "zur Weiterverarbeitung, also etwa im Bereich Babynahrung oder Bio-Backwaren, verwendet. Seit neustem bietet Südzucker dem
Verbraucher nun aber auch ein 500-g-Päckchen für den Konsum bzw. die Verarbeitung zu Hause an."[12]
Südzucker verneint auf seiner Homepage auch die Frage nach der Verarbeitung von gentechnisch veränderte
Zuckerrüben.[13]
Rohrzucker ist übrigens bei Südzucker ebenfalls in Bio-Qualität, sogar mit Fairtrade-Logo erhältlich und erfüllt die von der
Organisation Transfair für fairen Handel aufgestellten Anforderungen.
Eigentlich vorbildlich. Die Frage ist allerdings, wie bei anderen Wirtschaftszweigen übrigens auch, ob eine verlässliche
Trennung bei der Produktion von ökologischen und konventionellen Erzeugnissen in einem Großunternehmen mit beiden Produktlinien
immer gewährleistet ist, bzw. auch eingehalten wird.
Wollen VerbraucherInnen durch ihr Einkaufverhalten ihren Unwillen gegen die gegenwärtige Zuckermarkt-Situation und den
Protektionismus der EU ausdrücken, indem sie den Zucker der Zuckerbarone meiden, bleibt ihnen kaum eine Alternative - sowohl
bei konventionellen wie auch ökologischen Zucker.
Der Einkauf von Rohrzucker ist in vielen Bio- und Normalo-Supermärkten wie auch in kleineren Läden möglich. Bei Rohrzucker "bio & fair"
wird es schon schwieriger. Er ist in einigen Bio-Märkten und Weltläden erhältlich; zu nennen wäre der teure Gepa BIO Mascobado Vollrohrzucker.
Ganz schlecht sieht es dann bei Bio-Rübenzucker aus, wenn es nicht Nord- oder Südzucker sein soll. Da gibt es Naturata Bio-Rübenzucker,
und das war es auch schon (Wer kennt einen weiteren, der melde sich). Verzicht oder zu mindestens Einschränkung wären eine weitere Möglichkeit
nicht beim Zuckerbaron zu kaufen, zumal Zucker ja auch nicht gerade gesund ist.
Doch verbraucht jeder Deutsche 34 kg Zucker durchschnittlich im Jahr und wie viele verzichten schon gerne, auch wenn
ihnen die gegenwärtige Zuckersituation ebenso wenig gefällt?
Zucker-Lösung
Beim Zucker gibt es nur eine Lösung - die politische. Bis zum Inkrafttreten der neuen EU-Zuckermarktverordnung
(2006, EU-Regelwerk aus Quoten, Zöllen und Subventionen zum Schutz der heimischen Produktion von Zucker aus Zuckerrüben)
wurde Überschussproduktion in der EU für den Weltmarkt durch Quoten und Exporterstattungen künstlich gefördert. Nach der
WTO-Entscheidung darf die EU jetzt nur noch 1.273.500 Tonnen Zucker im Jahr unter Zahlung von Exporterstattungen exportieren,
die Referenzpreise werden gesenkt.
Ausführliche Informationen zur EU-Zuckermarktordnung und Zuckerpolitik bei
oeko-fair.de
Bis 2012 müssen die 27 EU-Staaten eine Reform der gemeinsamen Agrarpolitik verabschieden. Auf der Agenda muss m.E. eine
dezentrale Zuckerwirtschaft stehen, deren Einführung mit einer Förderung nachhaltiger Verarbeitungs- und Vertriebsstrukturen einhergeht.
Alle Subventionszahlungen müssen an konkreten Klima-, Arten- und Bodenschutz gekoppelt werden, wie das auch der WWF verlangt.
Deutschland sollte über eine Zuckersteuer, wie jetzt in Island eingeführt, nachdenken und entsprechende Vorschläge wie
in den USA ausarbeiten.[14] Sicher wird es massive Einwände
von der Zuckerindustrie, aber auch von den Konsumenten geben. Mit einer Abgabe auf Zucker in Lebensmitteln (nicht auf Haushaltszucker)
wäre es möglich neben einer parallel laufenden Aufklärungskampagne einer ungesunden Ernährung und der Überschussproduktion von Zucker
entgegen zu steuern. Zucker gilt bereits als Suchtmittel und ist in fast allen industriell gefertigten Nahrungsmitteln enthalten.
Zuckerkonsum macht abhängig und sichert so die Kundschaft im Milliardengeschäft einhergehend mit hohen Gesundheitskosten.
Die nächste Bundestagswahl ist im September 2009.
Nachtrag 18.07.2009
Rohrzucker "bio & fair" von :
Gepa: Gepa BIO Mascobado Vollrohrzucker FAIRTRAID*
*TransFair - Verein zur Förderung des Fairen Handels
mit der "Dritten Welt" e.V.
RAPUNZEL: Cristallino Rohrzucker HIH* ;
*HAND IN HAND International e.V.
Nachtrag 04.08.2009
Bayern enthüllt jetzt Empfänger von Agrarhilfen:
"Gloria von Thurn und Taxis hat im Jahr 2008 Agrarsubventionen in Höhe von gut 575.000 Euro kassiert - für Ländereien in der Nähe der bayerischen Stadt Regensburg. Das zeigt eine Liste der bayerischen Empfänger von Agrarhilfen, die der Freistaat am Montag veröffentlicht hat. Dort finden sich weitere prominente Namen: Gerd Sonnleitner, der Chef des Deutschen Bauernverbands, strich in derselben Zeit knapp 36.000 Euro ein. Er hat einen 100-Hektar-Hof im Landkreis Passau. Und Automanager Wolfgang Porsche bekam knapp 2.500 Euro. ..." aus taz vom 04. August 2009 "Bayerische Promis streichen Agrarhilfen ein"
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