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Palmöl sogar in Schokolade
Der Verbrauch von Pflanzenölen in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie sowie im Biodiesel ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Die steigenden Nachfrage hat zur Folge, dass immer mehr Palmölplantagen angelegt werden. "Denn Palmöl ist weltweit das meist verwendete Pflanzenöl, 32 % des globalen Pflanzenölbedarfs werden damit gedeckt. 2007 wurden insgesamt 42,5 Millionen Tonnen Palmöl und Palmkernöl erzeugt. Davon wurden ca. 44 % in Indonesien und 41,5 % in Malaysia produziert."[1]
Kurzinfo zu Palmöl und Plantagenwirtschaft
Mit der Zunahme und Entwicklung dieser Plantagenflächen sind extrem ökologische und menschenrechtliche Probleme verbunden. Mit der Plantagenwirtschaft geht eine Abholzung großer Regenwaldflächen einher. Die Food and Agriculture Organization (FAO) bestätigt, dass zwischen 1990 und 2005 1,87 Millionen Hektar Palmölplantagen in Malaysia und mehr als 3 Millionen Hektar in Indonesien neu angelegt wurden, von denen mehr als die Hälfte durch Abholzung von Wäldern entstand.[2] Die Entwaldung hat zum einen klimaverändernde Folgen, äußerst problematisch sind außerdem:
- Brandrodungen (insbesondere von Torfwäldern) setzen erhebliche Mengen CO2 frei.
- Menschen werden von ihren Farmen vertrieben, Landrechte ansässiger Kleinbauern oder Gemeinschaften verletzt.
- Massiver Einsatz von Pestiziden und Kunstdüngern vergiftet Grundwasser, Flüsse und damit das Trinkwasser.
- Enormer Wasserverbrauch der Plantagen beeinträchtigt die Trink- und Nutzwasserressourcen der Bevölkerung .
- Die Palmölplantagen (Monokultur) vernichtet die Artenvielfalt der Regenwälder (z.B. in Indonesiens der Lebensraum des Orang-Utans).
Internationale Kritik blieb nicht aus: Der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) ist die zentrale Organisation, die 2003 auf Initiative des WWF gegründet wurde, die die nachhaltigen Anbaumethoden für Palmöl fördern sollte. Der Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl hat rund 300 Mitglieder und ist ein Zusammenschluss von Palmölproduzenten, Umweltorganisationen und Palmölindustrie. Allerdings zeigte die Industrie wenig Interesse nachhaltiges Palmöl zu produzieren. Der WWF organisierte deshalb ein Ranking der größten Palmöl-Nutzer. [3]
Ein Grossteil der Umweltverbände bezeichnete die entwickelten Anbauformen jedoch als umweltzerstörend. Der Palmölanbau in großen Monokulturen könne grundsätzlich nicht nachhaltig sein. Greenpeace bezeichnete den RSPO „wenig mehr als Greenwash“. 2008 verabschiedeten rund 250 Umwelt- und Sozialgruppen (darunter 20 aus den deutschsprachigen Ländern) die Erklärung International Declaration Against the 'Greenwashing' of Palm Oil by the Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) [4]
In Deutschland soll das gesetzlich vorgeschriebene Zertifizierungssystem in der Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung 2007 die ökologische und soziale Nachhaltigkeit des Ölpalmemanbaus gewährleisten und damit Urwaldrodung und Menschenrechtsverletzungen verhindern. Allerdings gilt keine vergleichbare Verordnung für Kosmetika und Lebensmittel.
Eingesetzt wird Palmöl unter anderem sogar für Schokolade. Schokolade in der EU darf neben mindestens 18 Prozent Kakaobutter auch bis zu fünf Prozent tropische Ersatzfette enthalten, etwa Palmöl, Mangokernfett oder Borneo-Talg. Diese müssen nicht als «Schokoladen-Ersatzerzeugnis» gekennzeichnet werden. In Deutschland stellt unter anderem Nestlé zahlreiche Produkte her, in denen Palmöl enthalten ist.
"Nestlé, kein Palmöl aus Urwaldzerstörung!"
Nestlé verwendet z.B. für seinen Schokoriegel Kit Kat Palmöl aus Indonesien. Auf gerodeten Regenwaldflächen werden Ölpalmen in Plantagen angebaut, der Regenwald und Orang-Utans vernichtet. Mit einer gezielten Kampagne will Greenpeace dem Abholzen des Urwaldes einen Riegel vorschieben.
In der Greenpeace-Kampagne wurde der Kitkat-Werbespot nachgespielt und zeigt sehr drastisch, um was es geht. Die Forderung steht: "Nestlé, kein Palmöl aus Urwaldzerstörung!"
YouTube "Schocker"-Video "Nestlé, kein Palmöl aus Urwaldzerstörung!"
Außerdem verteilte Greenpeace Flugblätter mit Informationen zu den Folgen der Palmölproduktion vor den Toren der deutschen Zentrale in Frankfurt/Main sowie vor den Nestlé-Standorten in Hamburg, Berlin, München, Nürnberg, Soest und Singen. Mehr ... [5][6]
Auf Druck von Greenpeace will Nestlé nun zukünftig nur zertifiziertes Palmöl verwenden. Doch die Zertifizierung ist nachgewiesenermaßen ein Etikettenschwindel, meint die Organisation Rettet den Regenwald.
PROTESTAKTION I
Fordern Sie Nestlé auf, vollständig auf Palmöl zu verzichten.
Beteiligen Sie sich an der aktuellen Protestaktion von Rettet den Regenwald.
Was können Sie außerdem tun
Leider ist es für VerbraucherInnen kaum möglich, darüber hinaus einen wirksamen Beitrag zu leisten. "Bisher gibt es kein nachhaltig produziertes Palmöl, und es ist auf den Zutatenlisten auch nicht immer ausgewiesen. Es versteckt sich oft unter allgemeinen Begriffen wie "pflanzliches Öl" oder "pflanzliches Fett", und da es das meistverwendete pflanzliche Öl oder Fett ist, ist die Chance gross, dass es sich dabei um Palmöl handelt."[1]
PROTESTAKTION II
Und nun kommt eine Meldung, die Sie eigentlich nicht für möglich halten wollen: Das Magazin Report Mainz in der ARD berichtete am 22.3.2010 über Palmöl in Bio-Lebensmitteln, das von Ölplantagen des zweifelhaften kolumbianischen Konzerns Daabon stammt. Der Konzern wirbt mit elf Ökosiegeln, besitzt aber 5350 Hektar Ölpalmen-Monokultur, wobei Monokultur im ökologischen Anbau nicht erlaubt ist. Nach Recherchen der Organisation Rettet den Regenwald gab es in Las Pavas 2009 Landvertreibung für Ölplantagen, illegale Rodung und katastrophale Unfälle. Daabon ist außerdem am Bau der größten Palmöl-Dieselraffinerie Kolumbiens beteiligt. [1]
Nach dem Beitrag veröffentlichten die Naturkost-Firmen eigene Stellungnahmen.[9]
Rettet den Regenwald hat eine Protestaktion gegen Allos, Alnatura, Rapunzel und The Body Shop gestartet mit der Aufforderung, Palmöl durch heimische Öle zu ersetzen.
Beteiligen Sie sich an der Protestaktion von Rettet den Regenwald.
Weitere PROTESTAKTIONEN von Rettet den Regenwald zum Thema Palmöl

in diesem Jahr [7]:
Peru: Regenwald vernichte für Palmöl (18.03.10)
Nachhilfe für die EU: Ölpalmplantagen sind kein Wald! (19.02.10)
Wann geht IKEA ein Licht auf: Keine Kerzen und Teelichter aus Palmöl (05.02.10)
Bundesregierung muss Palmöl-Subvention stoppen! (21.01.10)
Fotos und weitere Videos
Ölbaum / Plantagen - Fotos auf Flickr
Rettet den Regenwald e.V. Indonesien / Sumatra - Fotos auf Flickr
Nestle, Kitkat, Orang-Utans auf YouTube
Weblinks und Quellen
Organisation, Vereine, Initiativen
[3] WWF 18.10.2009 WWF-Bericht: Ladenhüter nachhaltiges Palmöl
[4] International Declaration Against the 'Greenwashing' of Palm Oil by the Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO)
[5] Greenpeace Greenpeace, Nestlé, Kitkat - was ist passiert?
[6] Greenpeace Kitkat: Süßes mit bitterem Beigeschmack
[7] Rettet den Regenwald e.V. Protestaktionen Palmöl u.a.
Medienberichte, Meldungen
[8] Report Mainz 22.3.2010 Vertreibung für deutsche Bioprodukte
taz 23.03.2010 Das entscheidende Detail
taz 19.03.2010 Die Suche nach sauberem Palmöl
Unternehmen / Konzerne
Daabon DAABON Deutschland GmbH
[9] Alnatura Bio-Palmöl-Lieferant aus Kolumbien in der Kritik



