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29. Juli 2010

Schädlinge auf dem Gentech-Acker


Auf Gen-Baumwollpflanzen werden resistente Schädlinge entdeckt, andere bisher unbedeutende Schädlinge sind auf dem Vormarsch. Monsanto & Co. haben die Lösung: noch mehr Gift. Derweil verkünden die Konzerne ihre Heilsversprechen zur Gentechnik weiter mit dem Ziel: A b s a t z, d.h. Ausbau der Weltmarktstellung in der Bereitstellung von Saatgut. Schon jetzt ist die Abhängigkeit der Abnehmer, Bauern und Konsumenten fatal.

Bollgard, Bollgard II, Bollgard III - das ist eine Reihe von Sorten gentechnisch veränderter Pflanzen (Saatgut) des weltweit größten US-amerikanische Saatgut- und Spritzmittelherstellers Monsanto. Es handelt sich um die sogenannten Bt-Baumwollpflanzen.

Die Bt-Baumwollsorte Bollgard produziert aufgrund gentechnischer Manipulation einen Giftstoff der Bakterienart Bacillus thuringiensus (Bt), der unter anderem den Roten Baumwollkapselwurm vernichtet. Die Schädlinge nehmen beim Fressen das Bt-Toxin auf und sterben daran.

Zahlen und Fakten

2008/2009 wurden weltweit insgesamt 24.574 tausend t Baumwolle produziert.

Die weltweit bedeutendsten Baumwollproduzenten sind in Rangfolge China, Indien, die USA, Pakistan u.a. In Europa ist Griechenland das einzige Land mit einer größeren Produktionsmenge (Platz 10 der Weltrangliste), sowie Spanien mit einer geringeren Menge. Produktionsvolumen 2008/2009:
1  China  7.947 Tsd.t  32,34 %
2  Indien 5.443 Tsd.t  22,15 %
3  USA    2.945 Tsd.t  11,99 %. (1)

Baumwolle gilt als das landwirtschaftliche Produkt mit dem höchsten Einsatz an Chemikalien. Auf Baumwolle entfallen etwa 25 % des weltweiten Insektizid- und 10 % des Pestizidmarktes. ... Auch der Wasserverbrauch ist als sehr problematisch anzusehen.(1)

2009 wurden 49% (16,1 Millionen Hektar) der globalen Baumwoll-Anbaufläche mit transgenem Saatgut bepflanzt.(2)
In den USA betrug der Gentechnik-Anteil in der Baumwollproduktion im Jahr 2007 bereits rund 90 Prozent, in China und in Indien je 66 Prozent.(3)

China: "Die Entwicklung und Bereitstellung des transgenen Saatgutes lag in China nicht allein in Monsantos Händen. Unter dem staatlichen 863 High-Tech-Programm zur Förderung neuer Technologien wurde diese Aufgabe auch der Chinese Academy of Agricultural Science (CAAS), in Zusammenarbeit mit regionalen Universitäten und Saatgut-Organisationen, übertragen." (4)

Innerhalb von vier Jahren hat sich der Produktionsumfang von Biobaumwolle weltweit von 20.000 auf 141.000 Tonnen erhöht. Der Umsatz, der 2005 noch bei 500 Millionen US-Dollar lag, könnte 2010 5,3 Milliarden US-Dollar erreichen.(1)

Handel: Baumwollebörsen Liverpool, New York, Canton, Le Havre, London, Glasgow, Amsterdam, Rotterdam, Marseille, Izmir, Genua, Barcelona, Bremen und Hamburg.(5)

Quellen: 1 Wikipedia, 2 Wikipedia, 3 Umweltinstitut München, 4 Gen-ethisches Netzwerk, 5 wissen.de

In Indien sind nun nach nur acht Jahren Anbau der Bollgard-Baumwolle resistente Schädlinge aufgetaucht. In vier von neun Bezirken des Bundesstaates Gujarat ist der Roten Baumwollkapselwurm resistent gegen das Gift. [1]

Dieses Problem geht nun Monanto mit einem neuen Produkt an: Bollgard II. Es enthält ein "zusätzliches Bt-Gen, das das Spektrum der zu kontrollierenden Schadinsekten um die sogenannte Rübeneule , den Heerwurm und die Spannerlarve erweitert. Ein weiterer bedeutender Vorteil von Bollgard II ist," ... so Monsanto, "dass die zusätzliche Bt-Variante die Wahrscheinlichkeit des Aufkommens von immun gewordenen Schadinsekten enorm reduziert." [2]

Bollgard II wird in den USA seit 2002 verkauft. In zehn Bezirken in Texas sind die Pflanzen jedoch verboten. Trotzdem soll Monsanto seine gentechnisch veränderte Baumwolle Bollgard und Bollgard II dort verkauft haben, auch "ohne die Käufer wissen zu lassen, dass das Saatgut gegen örtliche Pestizid-Bestimmungen verstößt" [3]. Dafür muss der Konzern nun eine hohe Geldstrafe von 2,5 Millionen Dollar an die US-Umweltbehörde EPA zahlen. Es wird befürchtet, dass sich Resistenzen gegen das Gift bei den Schädlingen wie in Indien herausbilden.

China ist weltweit der größte Produzent von Baumwolle, zwei Drittel aller gentechnisch veränderten Baumwollpflanzen wachsen dort. Einer chinesischen Untersuchung zufolge erhöht der Anbau von Bt-Baumwolle die Gefahr neuer Insektenplagen. "Wie das wissenschaftliche Fachblatt Science berichtet, hat der Anbau der Gentechnik-Baumwolle in den letzten zehn Jahren gezeigt, dass sich die Weichwanze stärker ausbreitet als zuvor. Der Grund dafür ist der reduzierte Einsatz von Insektiziden durch Landwirte, die Bt-Baumwolle anbauen. Denn die bekämpft den Baumwollkapselbohrer, indem sie ein für ihn giftiges Toxin produziert. Durch die ausbleibende Anwendung von Spritzmitteln vermehren sich die Weichwanzen und befallen auch angrenzende Obst-Plantagen." [4]

Monsanto und die anderen großen Gentech-Konzerne wie BASF, Syngenta, Bayer, Dow und DuPont-Pioneer versprechen derweil das Heil beim Einsatz gentechnisch veränderten Pflanzen.[5] Monsanto verkündet, seine Produkte werden "eine wichtige Rolle bei der Bewältigung von globalen Herausforderungen in Bereichen wie Ernährung, nachwachsende Rohstoffe, Energie, Gesundheit und Umwelt spielen." Baumwolle ist eines der "Kernkompetenzen" von Monsanto. Entsprechendes Sortenmaterial, so Monsanto, trüge zu einer "erheblichen Produktivitätssteigerung" bei und das aber sogar "bei gleichzeitig nachhaltiger Entlastung der Umwelt". [6] Doch den Gentech-Giganten, der Herkunft nach alle Chemiekonzerne, geht es tatsächlich nur um ihren Absatz, Umsatz und Gewinn. Sie sind durchaus daran interessiert, ständig neue Gentech-Produkte auf den Markt zu bringen.

Monsanto scheint zu erwarten, dass Bollgard II im Einsatz gegen Schädlinge irgendwann unwirksam werden könnte. An einer Nachfolgesorte wird bereits gearbeitet: Bollgard III. Diese Baumwollsorte wird insgesamt drei verschiedene Giftstoffe enthalten.

International dürfen Journalisten, Wirtschaftsanalysten und Politiker angesichts der Konzernstrategien die Kampagnen und Erklärungen der Saatgut-Konzerne nicht länger ungeprüft übernehmen, sondern hinterfragen und kontrollieren. Hierzulande und in der EU muss die Kennzeichnung für Gentechnik-Baumwolle in Kleidung eingeführt werden. Der alternative Anbau von z.B. Leinen, Nessel und Hanf sowie der Bio-Anbau z.B in Afrika (transfair !) und auch in der EU (Griechenland, Spanien) muss gefördert werden! VerbraucherInnen können mit ihrem Kaufverhalten bislang kaum etwas beeinflussen. Nur bei Bio-Baumwolle ist in der Regel [7] sicher, die Gentech-Konzerne mit dem Kauf der Ware nicht zu unterstützen.


Hintergrundinformationen

NABU Hintergrund Baumwolle pdf
Umweltinstitut München Baumwollbekleidung
Informationsdienst Gentechnik Gentechnik-Baumwolle
Arte Dokumentation Monsanto, mit Gift und Genen
Umweltinstitut München Bio-Baumwollbekleidung
FAIRTRADE Österreich Faire Baumwolle aus Burkina Faso video
DEUTSCHE WELLE Das Ende der Baumwolle -- Griechenland und der globale Wettbewerb video
Cotton made in Africa Indikatoren und Richtlinien (weder fair gehandelt noch biologisch angebaut / zunächst bis 2011 keine gentechnisch veränderte Baumwolle)


Mitmachen

GEGEN NEUE GENTECHNISCH VERÄNDERTE PFLANZEN


Weblinks und Quellen

Parteien, Regierung

[1] bioSicherheit: Eine Initiative vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) : Resistente Schädlinge in Indien nachgewiesen

Organisation, Vereine, Initiativen

Informationsdienst Gentechnik (Träger:Umwelt-, Wirtschafts-, Verbraucher und Bauernverbände) Millionenstrafe für Monsanto wegen illegalen Verkaufs
[5] BUND Heilsversprechen der Gentechnik – ein Realitätscheck

Medienberichte, Meldungen

Unternehmen / Konzerne

[2] Monsanto Agrar Deutschland GmbH Baumwolle
[6] Monsanto Agrar Deutschland GmbH Über uns / Der Einsatz moderner Biotechnologie
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